Markterkundung

Die Markterkundung ist die Marktrecherche des Auftraggebers vor Beginn eines Vergabeverfahrens.

Die Markterkundung ist die Recherche, mit der sich ein öffentlicher Auftraggeber vor Beginn eines Vergabeverfahrens einen Überblick über den Markt verschafft. Er klärt, welche Lösungen es gibt, welche Unternehmen sie anbieten, mit welchen Kosten zu rechnen ist und wie sich die Leistung sinnvoll beschreiben lässt. Die Markterkundung gehört damit zur Vorbereitung der Vergabe, sie ist selbst noch kein Vergabeverfahren.

Rechtliche Grundlage

Oberhalb der EU-Schwellenwerte ist die Markterkundung in § 28 VgV geregelt. Danach darf der Auftraggeber vor der Einleitung eines Vergabeverfahrens Markterkundungen durchführen, um die Auftragsvergabe vorzubereiten und Unternehmen über seine Vergabepläne und Anforderungen zu unterrichten. Seit dem 1. Juli 2026 stellt die Vorschrift ausdrücklich klar, dass die Markterkundung auch umweltbezogene und soziale Aspekte sowie Aspekte der Qualität und Innovation umfassen und elektronisch durchgeführt werden kann. Unterhalb der Schwellenwerte enthält § 20 UVgO eine entsprechende Regelung. Auch die VOB/A verbietet es, ein Vergabeverfahren für Bauleistungen nur zum Zweck der Markterkundung durchzuführen.

Was erlaubt ist und was nicht

Zulässig ist alles, was der Information dient: Der Auftraggeber darf sich über Produkte, technische Lösungen, übliche Preise, Lieferzeiten, Zertifizierungen oder Referenzen informieren. Zwei Grenzen sind dabei zu beachten:

  • Kein Scheinverfahren: Ein Vergabeverfahren darf nicht allein zur Markterkundung oder zur Kosten- und Preisermittlung durchgeführt werden. Wer ausschreibt, muss eine ernsthafte Vergabeabsicht haben.
  • Keine verbindlichen Angebote: In der Markterkundung werden unverbindliche Informationen und Richtpreise eingeholt, keine Angebote, auf die ein Zuschlag erteilt werden könnte.

Typische Methoden

  • Internetrecherche, Fachportale und Herstellerunterlagen
  • Gespräche mit Unternehmen und Branchenverbänden
  • Messen und Informationsveranstaltungen
  • strukturierte Fragebögen oder unverbindliche Preisanfragen
  • Erfahrungsaustausch mit anderen Vergabestellen

Bedeutung für Unternehmen

Für Unternehmen ist eine Markterkundung eine Chance, früh mit einem Auftraggeber ins Gespräch zu kommen und die eigene Lösung vorzustellen. Ein Anspruch auf Vergütung oder auf den späteren Auftrag entsteht daraus nicht. Wer Informationen liefert, sollte außerdem die Projektantenproblematik kennen: Ein Unternehmen, das an der Vorbereitung eines Verfahrens mitwirkt, kann einen Wissensvorsprung erlangen. Der Auftraggeber muss dann sicherstellen, dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird, etwa indem er die ausgetauschten Informationen allen Bietern zur Verfügung stellt.

Dokumentation

Die Markterkundung sollte in der Vergabeakte nachvollziehbar dokumentiert werden: Wer wurde wann befragt, welche Informationen wurden gewonnen und welche Schlüsse hat der Auftraggeber daraus gezogen? Diese Dokumentation ist besonders wichtig, wenn das Ergebnis die Wahl der Verfahrensart begründet – zum Beispiel, wenn nur ein einziges Unternehmen die Leistung erbringen kann.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Markterkundung ist nicht mit dem Interessenbekundungsverfahren zu verwechseln, das einem eigenen rechtlichen Zweck dient. Sie unterscheidet sich auch vom Teilnahmewettbewerb: Dieser ist bereits Teil eines förmlichen Vergabeverfahrens und endet mit einer Auswahl der Bewerber, während die Markterkundung keine rechtlichen Bindungen erzeugt.

Praxisbeispiel

Eine Stadt plant die energetische Sanierung mehrerer Schulgebäude und ist unsicher, ob serielle Sanierungslösungen am Markt verfügbar sind. Sie lädt Planungsbüros und Hersteller zu einem digitalen Informationstermin ein, fragt Erfahrungen und grobe Kostenrahmen ab und dokumentiert die Ergebnisse. Auf dieser Grundlage formuliert sie die Leistungsbeschreibung und stellt die Unterlagen des Termins später allen Bietern mit den Vergabeunterlagen zur Verfügung.

Unterstützung durch Leto AI

Leto AI durchsucht täglich die Vergabeplattformen und meldet Ausschreibungen, die zum Suchprofil eines Unternehmens passen. Wird aus einer Markterkundung später ein Vergabeverfahren, erfahren Planungsbüros und Bauunternehmen davon rechtzeitig und können die Fristen von Anfang an einplanen.